Schwerpunkt „Politischer Dialog mit Ankara“ des Europäischen Rates

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Kayhan Karaca

Das Ministerkomitee des Europäischen Rates, das die Umsetzung der Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) überwacht, hat den Fall Osman Kavala diese Woche auf seiner Sitzung in Straßburg erneut erörtert.

In seiner einvernehmlich angenommenen Entscheidung bezog sich der Ausschuss auf die letzte Entscheidung des Straßburger Gerichts zu Kavala vom 11. Juli 2022 und erinnerte die Türkei wie alle anderen europäischen Länder an ihre „unbedingte Verpflichtung, die Entscheidungen des EGMR zu erfüllen“. In dieser letzten Entscheidung stellte der EGMR fest, dass die erste Entscheidung, die am 10. Dezember 2019 verkündet wurde und die sofortige Freilassung von Osman Kavala forderte, nicht umgesetzt wurde.

Betonung auf „Politischer Dialog“

Obwohl das Ministerkomitee erklärte, dass die türkische Justiz Kavala wie in der Vergangenheit unverzüglich freilassen und alle Anklagepunkte gegen ihn gemäß den Entscheidungen des EGMR fallen lassen sollte, gab es dieser Woche in seiner Entscheidung Vorrang der politische Dialog mitten in Ankara mit dem Europäischen Rat.

In der Entscheidung, die auf den jüngsten hochrangigen Dialog zwischen dem Außenminister Irlands, dem Vorsitzenden des Ministerkomitees des Europarates, und dem Außenminister der Türkei in Bezug auf Kavala aufmerksam machte Dokumente wurden die beiden Minister aufgefordert, so bald wie möglich erneut Kontakt aufzunehmen, um die Angelegenheit zu erörtern. Der Ausschuss forderte die Mitgliedstaaten des Europäischen Rates außerdem auf, die hochrangigen Kontakte mit der Türkei in Bezug auf den Kavala-Papierkram zu „intensivieren“.

PACE greift ein

Mit der Entscheidung kommt die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) im Kavala-Dokument offiziell ins Spiel. Das Präsidium des Ministerkomitees wird gebeten, „mit dem PACE-Führer die möglichen Maßnahmen zu erörtern, die ergriffen werden können, wenn Kavala inhaftiert ist“. PACE wird das Thema im Rahmen des Türkei-Berichts erörtern, über den am 12. Oktober in Straßburg abgestimmt werden soll.

Die Entscheidung verwies auch auf die Rolle der türkischen Justiz im Kavala-Dokument. Eine Nachricht wurde an die türkische Justiz gesandt, um die Entscheidung des EGMR umzusetzen. Das Ministerkomitee bat die türkischen Behörden auch um Informationen über die laufenden innerstaatlichen Berufungsverfahren und Verfassungsgerichtsverfahren in Bezug auf Osman Kavala. Er bat darum, diese Informationen bis spätestens 13. Oktober 2022 an Straßburg weiterzuleiten.

Im Allgemeinen rief der Ausschuss dazu auf, „schnell Schritte zu unternehmen, um die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der Justiz in der Türkei zu gewährleisten, insbesondere die strukturelle Unabhängigkeit des Rates der Richter und Staatsanwälte, inspiriert von den Standards des Europarates“.

Was bedeutet die Entscheidung?

Die Entscheidung des Ministerkomitees wird in Straßburg hinter den Kulissen als Aufforderung interpretiert, den Kavala-Papierkram im Dialog zu lösen. Da die Entscheidung des EGMR bisher nicht umgesetzt wurde, hat sich der Ausschuss entschieden, die von einigen Kreisen vorgebrachte Frage möglicher Sanktionen vorerst nicht zur Sprache zu bringen. Stattdessen brachte er seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die türkische Justiz das Kavala-Dokument im Lichte der Entscheidungen des EGMR nach innerstaatlichem Recht lösen könnte. Der Ausschuss ist der Ansicht, dass auch die türkische Regierung zu diesem Prozess beitragen kann.

Daher hat das Ministerkomitee eine Art Fahrplan festgelegt, der darauf basiert, einerseits das Berufungsverfahren zu Osman Kavala zu verfolgen und parallel zu diesem Verfahren einen hochrangigen politischen Dialog mit den türkischen Behörden zu diesem Thema zu führen.

In Straßburg richten sich die Augen nun auf die im nächsten Monat zu treffende Entscheidung der PACE zur Türkei. Der/die Abschnitt(e), der/die der Situation von Osman Kavala in der Türkei-Entscheidung der PACE gewidmet sein wird/werden, werden auch für die nächsten Diskussionen im Ministerkomitee entscheidend sein.

Das PACE setzt sich aus Parlamentariern der nationalen Parlamente der 46 Mitgliedsstaaten des Europarates zusammen. Die Türkei ist in der PACE mit 18 Abgeordneten vertreten.

T24

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